Frequently Asked Question

ERFAHRUNGSBERICHT Compoundbogen BowTech Diamond RAZOR EDGE
Last Updated 2 years ago

Razor heißt Rasierklinge und Edge Rand. Wer kann das geschickter übersetzen?


Erster Eindruck: Den hätte ich im Alter von 12 Jahren gern gehabt. Und tatsächlich, er hat nur eine Länge von knapp über 80cm, er ist sehr zierlich und er wiegt kaum etwas. Man kann ihn in Tarnfarben oder in Pink erhalten. Ich hatte natürlich einen pinkfarbenen Bogen in Händen. Letztendlich sollte ihn ja eine Frau schießen und ich wollte ihn lediglich tunen. Zunächst einmal musste ich mein neues Spielzeug einmal ausziehen. Aber Teufel auch, der Edge setzte sich zur Wehr und erstaunt musste ich feststellen, dass ich gerade 60# auf der Hand hielt, d.h. ein untrainierter Bogenschützen, auch männlichen Geschlechts, wird froh sein, das Kampfgewicht reduzieren zu können. Als nächstes schaute ich dann doch lieber in die Werksangaben. Dort konnte ich dann lesen, dass er von 30-60# in der Kraft variabel ist und sich in der Auszugslänge von 19-29 Zoll einstellen lässt. Ja, wirklich, alles an ein und demselben Bogen ohne neue Cam´s oder Extrateile - beeindruckend.


Das Auszugsgewicht sollte bei Pinki zunächst bei 30# liegen. Dazu brauchte ich nur die Bolzen an den Wurfarmtaschen um einige mm herausdrehen und die kleine Giftnatter war von 60 auf 30# entschärft. Der Tiller, gemessen an den Wurfarmtaschen, stand sauber auf Null. Der Auszug sollte 28 betragen. Für diese Aufgabe brauchte ich nur jeweils 2 Schrauben an jedem Cam lösen und das Stellmodul auf 28 einstellen. Auf den Cam´s ist dafür eine Kerbe vorgesehen auf die die gewünschte Zahl deckungsgleich eingestellt wird. Das waren 5 Minuten Arbeit, ein Kinderspiel. Als nächstes schraubte ich eine Quiktune Pfeilauflage mit Auflagefinger an das Mittelteil. Geschossen werden sollte ein Carbon Pfeil, Easton Redline 750 mit giftgrünen G-Nocks. Schaft und Nocke wurden gemessen, verrechnet und der Nockpunkt so gesetzt, daß der Pfeil zur Sehne 90 Grad betrug und auf Höhe der Bohrungen im Mittelteil stand. Schnell noch den Centerschuß gesetzt und los gings. Die Schützin setzte den ersten Probeschuß und nutzte dabei ein Schlaufenrelease von Spigarelli. Sie kam auf Anhieb mit dem Bogen klar und strahlte bis über beide Ohren. Jetzt ging es an den Papiertest. Angefangen bei 2m schossen wir abwechselnd durchs Papier. Egal wer schoß, daß Ergebnis war immer das gleiche und es war erschreckend, erschreckend schlecht. Risse von über 10cm und links/rechts Ausbrüche des Pfeils vom Feinsten. Daraufhin habe ich alle Register gezogen, Nockpunkt rauf/runter, Pfeilauflage härter/weicher/links/rechts nichts half, es wurde nur noch schlimmer und ich konnte neben mir das erste, lange Gesicht sehen. Aus der Not heraus nahm ich einfach eine andere Pfeilauflage, die Quiktune Flipper, eine neue Fallpfeilauflage. Ich justierte sie und war gespannt auf den ersten Schuß. Der kam und zu meiner Überraschung sah ich im Papier ein fast perfektes Loch mit jedem Schuß und jedem Schützen. Da war die Freude groß.


Auf 20 m schoß die junge Dame mit dem Edge eine tolle Passe nach der anderen, aber auf 50m steckten die Pfeile wie auf der Perlenschnur von oben nach unten, fast über die ganze Scheibe. Die Freude wich ein zweites Mal. Mechanisch war alles o.k. und auch mein Schußbild wies auf 50 m die gleiche Macke auf - das Perlenschnursyndrom. Zum Glück kamen wir dann auf die Idee, die neuen Pfeile zu kennzeichnen und siehe da, jeder Pfeil steckte in jeder Passe immergleich im selben Fleck. Da war alles klar, es musste mit der Nocke zu tun haben und das hatte es auch. Die neuen G-Nocks saßen alle unterschiedlich fest auf der Sehne. Je fester, desto tiefer lagen die Pfeile. Wir nahmen uns mit Sorgfalt jede Nocke vor und weiteten oder verengten die Flügel ganz vorsichtig, so daß am Ende alle Nocke gleich fest auf der Sehne saßen. Der Erfolg war umwerfend. Der Pfeilflug, von hinten betrachtet, war perfekt und die Pfeile wiesen dichte Gruppen auf, ohne Perlschnursyndrom.


Und die Moral von der Geschicht: Ein kleiner Fehler wird umso größer, je geringer die kinetische Energie des Bogens ist. Noch etwas ist mir aufgefallen. Je stärker ein Bogen ist, desto mehr Achtung oder Aufmerksamkeit schenke ich ihm. Bei 30# bin ich nachlässiger und ich kann deutlich spüren warum der Pfeil nicht ins Gold ging.

Bevor ich es vergesse, der Edge verschießt bei 60# einen Standartpfeil bereits mit 308 feet/s. Werksangaben werden aber immer auf 70# Bögen bezogen. Die kleine Giftnudel ist also irre schnell unterwegs. Erklärtes Ziel der Schützin war es, mit dem Edge die 70m locker schießen zu können. Mit dem Redline hat sie dann auch die 80m Marke erfolgreich in Angriff genommen, wobei der Pfeil seine besten Eigenschaften vielleicht doch bis 50 oder 60 m hat. Deshalb schießt sie jetzt einen passenden, sehr dünnen, preiswerten Pfeil, den Nano Force von Victory-Archery. Auch habe ich die Zugkraft des Bogens etwas erhöht und letztendlich hat sie die 90m jetzt locker im Griff. Zusammenfassend kann ich sagen: der Edge hat eine enorme Vielfalt an Einstellmöglichkeiten. Etwas Ähnliches konnte ich bisher bei keinem anderen mir bekannten Bogen finden. Ja, und die Farbe pink sieht erst richtig scharf aus, wenn man auch den Stabi, die Sehne, das Scope und den Griff in der Farbe liebevoll anpasst und dann fällt der Pinki, nebst der Schützin, auch den Männern mehr als angenehm auf.


Nachtrag:
Wer sich eine Airow-Gun, samt Bogen kaufen möchte, für den gibt es 3 Gründe den Edge näher ins Kalkül zu ziehen.
1.Extrem variabel in Auszugslänge und Kraft (für alle Schützen die sich nicht selbst einschätzen können)
2.Kurze und leichte Wurfarme, deshalb wird viel Energie übertragen.
3.Der Preis

Please Wait!

Please wait... it will take a second!